Durch die Beherrschung von Saxophon, Klarinette, Sol, Akkordeon, Zurna und Flöte bereichert er sein musikalisches Schaffen um vielfältige Klangfarben. Atzmons Liebe zum Jazz beginnt in einem Jerusalemer Plattenladen. Neben John Coltrane und Charlie Parker stößt er dort auch auf die britischen Saxer Ronnie Scott und Tubby Hayes. Der Jungmusiker sieht in London das "Mecca des Jazz". Genau dorthin zieht es ihn 1993, nach seiner Ausbildung in Jazz und Komposition an der "Rubin Academy of Music" in Jerusalem.
In der englischen Hauptstadt arbeitet Atzmon als Produzent und Arrangeur in Rock, Jazz und Ethnomusik. Dabei lernt er Kollegen wie Ofra Haza, Jack DeJohnette oder Michel Petrucciani kennen. Außerdem jobbt der talentierte Neuankömmling als Studiomusiker für Paul McCartney, Sinéad O'Connor und Robbie Williams. Parallel dazu studiert er Philosophie. Ab 1998 ist Atzmon ein Mitglied der Punkband "Ian Dury and the Blockheads", mit der er nach Durys Tod weiter tourt. Atzmons erste Solo-Platte "Spiel" erscheint bereits im Jahr seiner Ankunft in London. Gemeinsam mit dem Drummer Asaf Sirkis, Basser Yaron Stavi und Keyboarder Frank Harrison gründet er das "Orient House Ensemble", mit dem er etliche Tourneen bestreitet und zahlreiche Platten, u.a. beim Münchener Jazz-Label "Enja", veröffentlicht. Darunter auch das Album "Exile", das die BBC zum Jazz-Album des Jahres 2003 kürt,
sowie 2009 mit dem Album "In Loving Memory Of America", das Charlie Parkers Aufnahmen mit klassischen Streichern große Ehrerbietung erweist.
2007 veröffentlicht Gilad Atzmon mit dem Orient House Ensemble das als bis dahin "eines seiner reifsten und musikalisch nuanciertesten Werke" (Chris May, britischer Musikjournalist & Senior Editor bei allaboutjazz.com). Das im Jahre 2010 zum 10. Jahrestag des "Orient House Ensembles" veröffentlichte Album "The Tide Has Changed" wurde von Kritikern als reifes, genreübergreifendes Meisterwerk gefeiert. Das Album verbindet auf meisterhafte Weise Post-Bop-Jazz, arabische mikrotonale Melodien und das Kabarett der Weimarer Republik mit spektakulärer Musikalität.
Zu seinen bekannteren späteren Veröffentlichungen zählt Songs of the Metropolis (2013). Das Album wirkt insgesamt ruhiger und nostalgischer als frühere Arbeiten. Viele Stücke kombinieren urbane Jazz-Stimmungen mit melancholischen Klarinetten- und Saxophonlinien. Kritiker beschrieben das Werk als cineastisch und atmosphärisch, teilweise mit Einflüssen europäischer Filmmusik. Auf dem 2017 erschienenen Album "The Spirit of Trane" zollt Gilad Atzmon zusammen mit seinem Orient House Ensemble sowie dem Sigamos String Quartet dem Jazz-Giganten John Coltrane Tribut.
Während der Pandemiezeit ab 2020 verlagerte sich ein Teil seiner Aktivitäten auf Online-Auftritte, Interviews und kleinere Studioeinspielungen. Größere internationale Tourneen wurden seltener, doch er blieb in alternativen Jazz- und Kulturszenen Europas präsent. In den letzten Jahren war das musikalische Schaffen von Gilad Atzmon vor allem durch kontinuierliche Live-Arbeit, kammerjazzartige Ensembles und stilistische Verdichtung geprägt. Anders als in seiner früheren Karriere, die stark von Studioalben und großen Konzeptproduktionen bestimmt war, konzentrierte sich Atzmon zunehmend auf unmittelbare musikalische Interaktion, improvisierte Konzertformen und kleinere, oft unabhängige Produktionen.
Die Romane des umtriebigen Künstlers wurden bislang in 22 Sprachen "bersetzt. Auf vielzähligen Konzert- und Lesereisen, stellt Atzmon seinen kontroversen Stoff einem großen Publikum vor. Die universelle Gefühlssprache "Musik" kommt bei all dem nicht zu kurz.
Im Alter von 19 Jahren zog die italienische Sängerin, Improvisatorin und Komponistin Marta Capponi nach Rom, wo sie Jazz am renommierten Saint Louis College of Music unter der Leitung einiger der besten italienischen und internationalen Musiker und Sänger studierte, darunter Maria Pia De Vito, Mark Murphy, Shawnn Monteiro, Carl Anderson, John Taylor, Paolo Fresu, John Patitucci, Bob Stoloff und Norma Winstone. Zu diesem Zeitpunkt begann Marta ihre professionelle Jazzkarriere mit Auftritten in Italien, darunter zahlreiche Kollaborationen mit anderen Künstlern wie Giovanni Mazzarino, Massimo Farao, Bobby Durham, Javier Girotto, Fabrizio Bosso und Papik und Projekten wie Saint Louis Big Band und Tribunal Mist Jazz Band. Die letzten beiden unter der Leitung von Antonio Solimene führten Marta dazu, bei einigen der renommiertesten italienischen Jazzfestivals zu singen: Umbria Jazz, Spoleto Festival dei Due Mondi und Ravello Music Festival.
Vor 9 Jahren zog Marta nach London, wo sie sich als eine der führenden Sängerinnen der Jazzszene der Hauptstadt etablierte. Capponi ist bekannt für ihren markanten Gesang und ihre kreative und aufregende Improvisation. Ihre stimmliche Vielseitigkeit hat es ihr ermöglicht, an einer Vielzahl von Projekten von Jazz bis Pop, Folk und brasilianischer Musik beteiligt zu sein. In den letzten Jahren hat Capponi selbst 3 Projekte geleitet: In A Moment; NuCleUs und Life Within. In A Moment war Martas erstes Projekt als Leiterin und Komponistin und gab ihr die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Musikern sowohl in Italien als auch in London zusammenzuarbeiten und die Klänge ihrer ersten Eigenkompositionen zu erkunden. NuCleUs ist ein originelles Duo-Projekt aus Gesang und Percussion mit ihrem Musik- und Lebenspartner Emiliano Caroselli. Schließlich ist Life Within Martas neuestes Album, das am 9. März 2021 veröffentlicht wurde.
Life Within ist die erste Veröffentlichung von Marta Capponi unter ihrem eigenen Namen, in der sie die Musik erforscht, die ihre Karriere seit ihrer frühen Kindheit bestimmt hat und wo sie sich mit ihren Wurzeln und ihrer Liebe zum Jazz verbunden fühlt. Dieses Projekt umfasst einige der besten Jazzmusiker Großbritanniens - Jo Caleb an der Gitarre, Ross Stanley an der Hammond-Orgel und am Klavier, Dario Di Lecce am Kontrabass und Emiliano Caroselli am Schlagzeug.
Nach den Einschränkungen der Pandemie begann Capponi 2022 wieder intensiver live aufzutreten. Besonders wichtig war dabei ihre erneute Präsenz auf der Londoner Jazzszene, in der sie bereits seit ihrem Umzug 2012 als vielseitige Sängerin etabliert war. Im Februar 2022 trat sie im renommierten Londoner 606 Club auf, wo sie ihr Album "Life Within" erstmals umfassender live präsentierte. Ebenfalls 2022 spielte sie in Budapest mit dem Cseke Gábor Trio. Die ungarische Jazzpresse beschrieb ihre Bühnenpräsenz als intensiv und ihre stilistische Bandbreite als außergewöhnlich - von Jazzstandards bis zu brasilianischer Musik und zeitgenössischer Improvisation.
2023 verlagerte sich Capponis Arbeit zunehmend auf eigene Kompositionen und experimentellere Formate. Besonders wichtig blieb dabei ihr Duo-Projekt NuCleUs, das sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger Emiliano Caroselli betreibt. Parallel intensivierte sie ihre Tätigkeit als Pädagogin und Kuratorin. Sie wurde Dozentin für Jazzgesang am Saint Louis College of Music und begann verstärkt Workshops und Masterclasses zu geben.
2024 begann für Capponi eine neue kreative Phase mit der Ankündigung ihres Albums "Shaking the Blue". Das Werk wurde als ihr bislang persönlichstes und stilistisch offenstes Projekt beschrieben. Es verbindet Jazz, atmosphärischen Art-Pop, improvisierte Passagen sowie experimentelle Klangideen im Geist von David Bowie und Laurie Anderson. Im Juli 2024 stellte sie Teile des Materials bei der italienischen Konzertreihe Donne in Blues erstmals live vor. Die italienische Presse beschrieb die Musik als "energiegeladen" und zugleich emotional tiefgründig.
Das Jahr 2025 stand stark im Zeichen der Live-Präsentation ihres neuen Materials für das Album "Shaking the Blue", das zunächst in Vorschaukonzerten vorgestellt wurde. Besonders bedeutend war ihr Auftritt beim Festival Gravina in Jazz 2025 in Sizilien. Dort präsentierte sie erstmals größere Teile des Albums in einer erweiterten Bandbesetzung. Außerdem intensivierte Marta ihre Konzerttätigkeit zwischen Italien und Großbritannien. Besonders hervorzuheben ist ihre Rückkehr auf britische Jazzbühnen wie den Twickenham Jazz Club, wo sie mit einem Quartett um Hammond-Orgel, Gitarre und Schlagzeug auftrat.
Ulrich Glaszmann studierte 1993-1996 an der Staatliche Hochschule für Musik und Tanz Heidelberg-Mannheim klassische Musik und machte das Vordiplom am Kontrabass und am Klavier. Anschließend begann er 1996 ein Jazzstudium am Koninklijk Conservatorium in Den Haag am Kontrabass, welches er 2001 mit dem Master abschloss. Nach seinem Studium unterrichtete er an der Koorenhuis Musikschule in Den Haag klassischem Jazz am Kontrabass und am Elektrobass, dort sammelte er viel Erfahrung bei der Arbeit mit Anfängern jeden Alters aber auch in der Combobetreuung. Zwischen 2001 und 2015 spielte Ulrich Glassmann zahlreiche Konzerte in den Niederlanden und Europa, u.a. mit Kollegen wie z. B. Xavier Vercher, Adam Nussbaum, Prof. Klaus Graf, Prof. Olaf Polziehn.
Er gab eine Reihe an Workshops sowohl im Amateurbereich als auch bei Musikstudenten und Musikergruppen (z. B. der Daimler-Chrysler Big Band). In Spanien leitete er zusammen mit der Erzieherin Ana Soler Gimenez John Zorns Improvisationsstück "Cobra" in einem Workshop für Kinder. Als Musiker spielt er seit seiner Ankunft in den Niederlanden in diversen Gruppierungen, z. B. dem Wim Bronnenberg Quintett, dem Freejazz Quartett "Take the Duck", Edgar van Asselt Trio, unter anderem aber auch mit Philip Harper, Rachel Gould, Steve Altenberg, Sergei Ostromoumov.
Ulrich spielt(e) regelmäßig mit Musikern wie z. B. Ack van Rooyen, Tilmar Junius, Rob van Kreeveld, Frans Elsen, Jorge Vistel, Martien Oster, Marco und Wim Kegel, Harmon Franje, Owen Hart, Juraj Stanik, Hein van der Gaag. Seit 2013 ist Ulrich Combo-Lehrer an der Jazzschule Den Haag.
In den frühen 2020er-Jahren blieb Glaszmann vor allem innerhalb der europäischen Jazz- und Workshopszene präsent. Seine Tätigkeit war weniger auf große internationale Medienpräsenz ausgerichtet, sondern stärker live-orientiert, pädagogisch geprägt und ensemblezentriert.
Ein besonders sichtbares Projekt dieser Phase war die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem niederländischen Gitarristen Martien Oster. Im Trio mit Jean-Clair de Ruwe entstand ein modernes akustisches Jazzformat, das zeitgenössischen Straight-Ahead-Jazz, lyrische Balladen, moderne Harmonien und improvisatorische Offenheit kombinierte.
Jim Hart ist einer der gefragtesten Musiker der europäschen Jazz- und alternativen Musik Szene, sowohl als Solist als auch als Sideman am Schlagzeug und Vibraphone. Zurzeit im Elsass lebend, verbrachte Jim die Zeit zwischen 1996 und 2014 in London. Nach seinen Studien an der "Chethma's School of Music" und der "Guildhall School of Music and Drama" begann sich Jim in England als Drummer für "NYJO", den "New Jazz Couriers", "Gwilym Simcock's Elftet" und dem "Christian Brewer Quintett" einen Namen zu machen. Er wurde zu einem gefragten Musiker in der britischen Jazz-Szene und spielte mit Bands um Stan Sulzmann, Sir John Dankworth und Cleo Laine sowie Alan Barnes und arbeitete außerdem mit Kenny Wheeler, John Taylor, Julian Arguelles, Mike Walker, Liane Caroll und Peter King, um nur einige wenige zu nennen. Er wurde fünf Mal mit dem renommierten "British Jazz Award" ausgezeichnet.
2003 startete Hart mit seiner ersten Gruppe "Gemini" und wurde mit ihr ein Gründungsmitglied der "Londoner LOOP Collective". Er hat bislang fünf Alben unter seinem eigenen Namen, mit seiner Band "Gemini", dem "Jim Hart Quartett" und seinem jetzigen Projekt dem "Cloudmakers Trio" mit seinen langjährigen Weggefährten Michael Janisch am Bass und David Smith an den Drums, aufgenommen. Jim tourt in den letzten Jahren regelmäßig mit amerikanischen Gastmusikern und 2010 war er Ehrengast bei Wynton Marsalis und dem Lincoln Center Jazz Orchestra, während ihres Londoner Aufenthalts.
2012 und 2013 wurde Jim im Downbeat Magazine "Reader's Poll" in der Kategorie Vibraphone und 2011 als Musiker des Jahres bei den Parliamentary Jazz Awards nominiert. Er gewann den "Young Jazz Musician of the Year Award" der "Worshipful Company of Musicians". Soweit es sein enger Terminplan erlaubt, gibt Jim auch Unterricht. Er ist bei der "Royal Academy of Music" tätig, leitete Masterclasses und war Gasttutor am "Trinity Laban Conservatoire", dem "Birmingham Conservatoire", dem "Leeds College of Music", der "Chetham's School of Music", der "Purcell School" und der "Well's Cathederal School".
Ab 2015 war Hart bereits fest in der britischen und europäischen Jazzszene etabliert. In dieser Phase arbeitete er intensiv mit dem Cloudmakers Trio, dem Ensemble Gemini, sowie zahlreichen internationalen Improvisationsmusikern. Sein Spiel verband komplexe rhythmische Strukturen, melodische Offenheit, elektronische Klangfarben mit zeitgenössischer Jazzharmonik.
In den Jahren 2018 und 2019 arbeitete Hart mit Musikerinnen und Musikern wie Ralph Alessi, Iain Ballamy, Eddie Parker, Huw Warren, Kenny Wheeler, Hermeto Pascoal und Marius Neset zusammen. Sein Stil bewegte sich dabei zwischen zeitgenössischem Kammerjazz, skandinavisch beeinflusster Atmosphäre, rhythmischer Avantgarde und lyrischer Improvisation.
Ein wichtiger Meilenstein war das Album Multiverse (2020 veröffentlicht) mit seinem Quartett. Das Werk verband elektronische Sounddesign-Elemente, akustischen Jazz, polyrhythmische Strukturen mit moderner Kompositionstechnik. Besonders hervorgehoben wurden die enorme Transparenz der Arrangements, Harts Fähigkeit, rhythmische Komplexität melodisch zugänglich zu machen, sowie sein vibraphonisches Klangspektrum zwischen perkussiver Präzision und schwebender Harmonik.
Parallel zu seiner Konzertarbeit etablierte sich Hart weiter als bedeutender Jazzpädagoge. Er unterrichtete unter anderem an der Royal Academy of Music in London, bei internationalen Jazzworkshops sowie bei europäischen Improvisationskursen.
Amos Hoffman (sprich: Ah-mus) ist ein israelischer Jazzgitarrist und Oud-Spieler, der weltweit als Pionier bei der Verschmelzung von Rhythmen und melodischen Themen des Nahen Ostens mit dem modernen Jazz bekannt ist. Hoffman begann im Alter von 6 Jahren, Gitarre zu spielen, und einige Jahre später Oud. Er studierte Gitarre im Privatunterricht und besuchte später die renommierte Rubin Academy of Music in Jerusalem. Seine Suche nach neuen musikalischen Erfahrungen führte ihn zunächst nach Amsterdam und dann nach New York City, wo er sowohl mit etablierten Musikern als auch mit aufstrebenden Talenten wie Jason Lindler, dem Bassisten Avishai Cohen und Claudia Acuna Jazz spielte.
Bis heute hat Hoffman 5 Soloalben aufgenommen: The Dreamer (1999), Na'ama (2006), Evolution (2008), Carving (2010) und seine jüngste Veröffentlichung Back to the City (2015). Außerdem hat er an Dutzenden weiterer Alben von Künstlern in Israel und weltweit mitgewirkt, darunter Avishai Cohen, Kiko Berenguer (Spanien) und Jan Mlynarski (Polen).
Im Jahr 2013 wurde Amos mit einem der renommiertesten Preise Israels ausgezeichnet - dem Landau-Preis für Kunst und Wissenschaft für herausragende Leistungen im Bereich des Jazz. Zurzeit lebt Hoffman in den USA und freut sich darauf, neue musikalische Abenteuer zu erleben und ein noch größeres Publikum zu erreichen.
Seit etwa 2015 entwickelte Amos Hoffman sein musikalisches Schaffen zunehmend in Richtung einer reifen, stark reduzierten und international geprägten Form des mediterranen Modern Jazz. Während seine früheren Jahre vor allem durch die Etablierung der Oud im Jazzkontext geprägt waren, konzentrierte sich seine spätere Arbeit stärker auf kompositorische Tiefe, kammermusikalische Ensembles, modale Improvisation und rhythmische Feinheit.
Das bislang wichtigste bekannte neue Album seiner späteren Karriere erschien 2024 unter dem Titel "Minor Operation". Das Album erschien bei Jojo Records und gilt als eine Art Zusammenfassung seiner musikalischen Entwicklung aus modernem Jazz, arabischer Musiktradition und modaler Improvisation.
Claus Krisch ist seit den 60er-Jahren als Pianist und Bassist in der europäischen Jazzszene unterwegs. Bereits als Jugendlicher bewegte sich Claus Krisch in der professionellen europäischen Jazzszene. Während viele Gleichaltrige noch musikalische Grundlagen lernten, spielte er schon auf Festivals und in renommierten Clubs. Besonders stark beeinflusst wurde er vom klassischen Modern Jazz der 1950er- und 1960er-Jahre.
In den folgenden Jahren entwickelte er seinen eigenen Stil am Klavier. Sein Spiel verband traditionelle Jazzharmonik mit lyrischen und improvisatorischen Elementen. Parallel dazu spielte er zeitweise auch Bass und arbeitete mit unterschiedlichen Ensembles zusammen. Das „Krisch-Quartett“ wurde später zu einer festen Größe der deutschen Jazzlandschaft. Die Gruppe veröffentlichte unter anderem die Alben "Tribute To Milt Jackson" (2003) und "Black Cotton Songs" (2008). Diese Produktionen zeigten die enge Verbindung der Familie Krisch zum klassischen Vibraphon-Jazz und zum Erbe des amerikanischen Modern Jazz Quartet.
Neben seiner Karriere als Musiker widmete sich Claus Krisch intensiv der Ausbildung junger Jazzmusiker. Nach einer pädagogischen Hochschulausbildung arbeitete er viele Jahre als Jazzdozent an der "Freien Kunstschule Saarlouis/Picard". Dort unterrichtete er Generationen von Musikern. Viele spätere professionelle Jazzmusiker aus dem Saarland wurden von ihm geprägt oder zumindest zeitweise begleitet. Besonders wichtig war ihm die praktische Arbeit im Bezug auf Improvisation, Zusammenspiel, musikalisches Zuhören und spontane Kreativität. In Interviews betonte Krisch immer wieder, dass Jazz vor allem Kommunikation sei. Für ihn bestand die Kunst des Jazz darin, aufeinander zu hören und musikalisch spontan zu reagieren.
Eine zentrale Rolle spielte Claus Krisch bei der Entwicklung der Jazzszene in Saarwellingen. Dort war er maßgeblich am Aufbau der Jazzwochen und der regelmäßigen Jamsessions, aber auch der "International Jazzwerkstatt", bei der er von Beginn an als Dozent mitwirkt, beteiligt. Durch diese Veranstaltungen entwickelte sich Saarwellingen über viele Jahre zu einem wichtigen Treffpunkt der europäischen Jazzszene. Internationale Musiker aus Großbritannien, Italien, Kanada, Ungarn und Deutschland arbeiteten dort mit jungen Talenten zusammen. Claus Krisch gilt dabei als "Spiritus Rector" des Projekts — als geistiger Mittelpunkt und musikalischer Mentor. Besonders geschätzt wurde seine ruhige, humorvolle und praxisorientierte Art des Unterrichts. Statt trockener Theorie setzte er auf gemeinsames Musizieren und unmittelbare Erfahrung.
Krisch gehört zu jener Generation deutscher Jazzmusiker, die den europäischen Jazz nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig geprägt haben. Während andere Musiker große internationale Karrieren anstrebten, konzentrierte sich Claus Krisch stark auf die Förderung regionaler Kulturszenen und junger Talente.
Tony wurde in eine Musikerfamilie in Budapest, Ungarn, geboren. Sein Vater war ein berühmter "Gipsy"-Geiger. Im zarten Alter von 6 Jahren begann er mit dem Geigenunterricht. Zum Saxophon fand Lakatos erst mit 15 Jahren. Nach dem Sieg bei einem nationalen Musikwettbewerb, entschloss er sich Profi-Musiker zu werden. 1979 graduierte er im Jazzbereich des "Bela Bartók Konservatoriums" in Budapest. Kurze Zeit später zog er nach Deutschland und wurde einer der angesehensten Saxophonspieler - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
Lakatos wirkte als Solist in zahlreichen Jazz/Pop/Rock Aufnahmen und Konzerten mit. Er spielte in rund 350 LP/CD Aufnahmen mit dem Saxophon, entweder als Bandleader oder Begleitung, mit. Frankfurt am Main ist seit 1993 sein zu Hause, wo er als Solist der "H.R.-Big Band" bis 2021 arbeitete.
2020 erhielt Lakatos den Hessischen Jazzpreis - eine der wichtigsten deutschen Jazz-Auszeichnungen.
2023 veröffentlichte er das Album "Blue Chili" mit Alex Sipiagin, Danny Grissett, Gregory Hutchinson und Hans Glawischnig. Das Album verbindet modernen Hardbop, lyrische Balladen, zeitgenössischen Straight-Ahead-Jazz mit europäischer Klangästhetik. Lakatos ist der erste ungarische Musiker, der beim "Gavin Report" im amerikanischen Jazzmusik-Radio mit seinen CDs in den Top Ten erschienen ist.
Er tourt fortwährend in allen Ländern Europas, in den USA, Kanada, Japan, Südafrika, Libanon, Indien, Thailand, Singapur, Taiwan, China und vielen anderen Teilen der Welt. Er gibt zahlreiche Masterclasses weltweit und unterrichtet als Dozent bei einer Reihe von renommierten Workshops. Tony Lakatos gilt heute als einer der bedeutendsten europäischen Tenorsaxophonisten seiner Generation.
Johannes Müller, 1981 in Saarlouis geboren, studierte an der "Hochschule für Musik und darstellende Kunst" in Mannheim bei Jürgen Seefelder und Johannes Enders. Sein Diplom absolvierte er 2006. Seit 2007 ist er Master of Music. Seine Vita ist geprägt von einem breiten, internationalen Spektrum an Engagements und Produktionen. So war er von 2002 bis 2005 Mitglied im Bundesjazzorchester. Er ist Mitinitiator des Projektes "Euro-Jazz" der "HR-Big-Band" und bis heute regelmäßiger Gast dort. Zudem wirkt er bei zahlreichen Theaterproduktionen mit.
Als Solist ist er international tätig. So beispielsweise bei Auftritten auf bedeutenden Jazzfestivals wie in San José, London, Den Haag, Brüssel, Kapstadt, Mumbai, etc. 2005 gewann er den Solistenpreis des Hochschulwettbewerbs der Bundesrepublik Deutschland im Wettbewerbsfach Big-Band. Johannes Müller verzeichnet darüber hinaus Auftritte in den renommiertesten Jazzclubs weltweit. Auf Tourneen und Konzerten gastierte er in 27 Ländern rund um den Globus (u.a. USA, Indien, Südafrika, China, Russland, Großbritannien etc.).
Aber auch im Studio konnte Müller sein Talent unter Beweis stellen und ist bislang auf 22 Tonträgern zu hören. Seine Erfahrung machten ihn zum begehrten Partner verschiedenster Künstler, wie beispielsweise David Liebman, Randy Brecker, Bob Mintzer, Claudio Roditi, Michel Camilo, Wolfgang Muthspiel und vielen anderen. Als Dozent unterrichtet er seit Jahren beim Workshop der "International Jazzwerkstatt" in Saarwellingen und lehrte bei Masterclasses an den Universitäten Kapstadt und Durban. Sein internationales Engagement verbindet Müller mit seiner Liebe zur Heimat. So war er von 2013 bis 2016 erster Altsaxophonist im Polizeiorchester des Saarlandes und unterrichtet seit 2014 an der "Musikhochschule des Saarlandes" im Fach Saxophon Jazz. Seit 2016 ist er festes Mitglied bei der Big-Band der Bundeswehr.
Dieser Schritt bedeutete für Müller nicht nur größere nationale Sichtbarkeit, sondern eröffnete ihm auch neue internationale Möglichkeiten. Die Big Band der Bundeswehr gilt seit vielen Jahren als eines der professionellsten Bigband-Ensembles Deutschlands und arbeitet regelmäßig mit internationalen Gastsolisten und renommierten Arrangeuren zusammen. Für Müller bedeutete diese Position eine ideale Verbindung zwischen orchestraler Präzision und improvisatorischer Freiheit.
Ebenfalls 2016 erschien außerdem das Album "Gloomy Smokey Light" seines Quartetts "Johannes Müller Jazz Mile". Dieses Werk zeigte sehr deutlich die musikalische Richtung, die sein Schaffen in den folgenden Jahren prägen sollte. Die Musik des Albums orientierte sich stark an der Atmosphäre klassischer amerikanischer Jazzclubs, insbesondere an der Tradition von New Orleans und modernem Mainstream-Jazz. Gleichzeitig wirkte das Album jedoch keineswegs nostalgisch, sondern verband traditionelle Jazzsprache mit moderner europäischer Eleganz. Kritiker beschrieben Müllers Spiel in dieser Phase häufig als ausgesprochen melodisch, warm und kontrolliert. Besonders hervorgehoben wurde seine Fähigkeit, selbst komplexe harmonische Strukturen leicht und selbstverständlich erscheinen zu lassen.
2017 begann sich Müllers internationale Konzerttätigkeit nochmals deutlich auszuweiten. In dieser Zeit trat er verstärkt auf renommierten Festivals und in bedeutenden Jazzclubs auf. Seine Konzertreisen führten ihn unter anderem nach Großbritannien, Indien, Südafrika und in verschiedene europäische Länder. Besonders bemerkenswert war dabei, dass Müller zunehmend als Solist wahrgenommen wurde und nicht nur als Ensemble- oder Bigbandmusiker. Sein Spiel verband inzwischen amerikanisch geprägten Tenorsaxophon-Sound mit einer sehr europäischen Form melodischer Gestaltung. Viele Kritiker beschrieben seinen Ton als außergewöhnlich elegant und sofort wiedererkennbar. Der Jazzredakteur Peter Kleiß bezeichnete sein Saxophonspiel sogar als "Inbegriff von Eleganz".
Seit 2021 hat sich Johannes Müller künstlerisch noch deutlicher als einer der führenden deutschen Tenorsaxophonisten zwischen Modern Jazz, Hardbop und international orientierter Improvisationsmusik etabliert. Ein wichtiges öffentliches Projekt dieser Phase war seine Zusammenarbeit mit international renommierten Musikern bei verschiedenen europäischen Konzertformaten. 2024 trat Müller unter anderem gemeinsam mit Tony Lakatos und Gilad Atzmon auf, was seine Stellung innerhalb der europäischen Jazzszene zusätzlich unterstrich.
Der wichtigste künstlerische Meilenstein seines jüngsten Schaffens war die Veröffentlichung des Albums Tenor Soul im Jahr 2024. Das Album erschien am 29. November 2024 und dokumentiert Johannes Müller in einer besonders konzentrierten und reifen Phase seiner Entwicklung. Die Aufnahme entstand gemeinsam mit Martin Sasse am Piano, Markus Schieferdecker am Bass, Martijn Vink am Schlagzeug, sowie den Gästen Menzel Mutzke und Martin Schulte. Klanglich zeichnet sich das Album durch einen warmen, akustischen Ensemblesound aus.
Müller arbeitet hier weniger mit harmonischer Dichte als mit Raum, Dynamik und melodischer Entwicklung. Gerade Balladen und mittlere Tempi gehören zu den stärksten Momenten der Aufnahme. Kritiker beschrieben das Album als besonders reif und konzentriert. Viele sahen darin eine Art Zusammenfassung seiner musikalischen Entwicklung der letzten Jahre. Im März 2025 präsentierte er das Album beispielsweise mit seinem Quartett bei einem vielbeachteten Konzert in der Kettenfabrik Saarbrücken. Dort wurde er erneut als Vertreter eines "Jazz auf Weltniveau" beschrieben.
Randolph Matthews kommt aus London. Jahrelang trat der Sänger als Solokünstler auf, nur von seiner Loopstation begleitet, welche die von ihm selber eingespielten Rhythmen wiedergab und so seine unglaubliche Vokalkunst unterstützte. Seine Stimme setzt er mit seltener Einfühlsamkeit und verblüffender Virtuosität für eigene Songs ebenso ein wie für neu gestaltete Klassiker. Seit den Anfängen in Londoner Lokalen bis heute hat er zwölf Alben veröffentlicht, ist an allen erdenklichen Orten aufgetreten und hat verschiedene Musikstile durchquert, bis er die afrikanischen Wurzeln entdeckt, sich gleichzeitig aber auch mit zeitgenössischen Experimenten angefreundet hat. Bei seinen Auftritten vermischt Randolph seine afro-karibischen Wurzeln mit dem British Sound und kreiert so einen eigenen Mix mit Blues, Soul, Beatbox, Jazz und ethnischen Klängen.
In seiner 20-jährigen Karriere spielte Randolph mit unzähligen Musikern wie zum Beispiel Plan B, Herbie Hancock, SK Shlomo, Will I am, oder auch Maceo Parker, Amp Fiddler, Grace Jones, Jazzanova, Angelique Kidjo. Auf den renommierten Bühnen der Royal Albert Hall, Glastonbury und Umbria Jazz ist er schon aufgetreten, und im berühmten Londoner Ronnie Scott's Jazz Club geniesst er Dauergastrecht, selbst vor Queen Elisabeth ist er schon aufgetreten. Er glaubt fest an die Macht der Stimme, das sie in der Lage ist, das Leben von Menschen wenn nicht gar der Welt zu ändern.
Seit den späten 2010er-Jahren entwickelte sich seine Arbeit zunehmend interdisziplinär. Matthews arbeitete verstärkt mit Tanzprojekten, Theaterproduktionen und experimentellen Bühnenformaten zusammen. Seine neueren Performances verbinden häufig elektronische Klangflächen, freie Vokalimprovisation und rhythmische Strukturen mit erzählerischen oder performativen Elementen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Konzert, Klangkunst, Performance und Theater zunehmend.
Parallel zu seiner Bühnenarbeit engagiert sich Matthews intensiv im Bildungsbereich. Er leitet Workshops, arbeitet mit Jugendlichen und unterrichtet kreative Stimmentwicklung sowie Improvisation. Besonders wichtig ist ihm dabei die Idee, dass jeder Mensch musikalische Ausdrucksmöglichkeiten über die Stimme entwickeln kann. Seine pädagogische Arbeit konzentriert sich deshalb weniger auf traditionelle Gesangsausbildung als auf Rhythmusgefühl, Kreativität und spontane musikalische Kommunikation.
Im Jahr 2023 konzentrierte sich Matthews verstärkt auf improvisationsorientierte Ensemblearbeit. Sein Beatboxing wurde subtiler eingesetzt und war nun stärker in offene Ensemblekommunikation eingebunden. Statt dominanter rhythmischer Patterns arbeitete er häufiger mit feinen Vokaltexturen, kleinen rhythmischen Verschiebungen und spontanen melodischen Fragmenten. Besonders im Zusammenspiel mit Jazzmusikern entwickelte er hochkommunikative Improvisationen, bei denen seine Stimme flexibel auf harmonische Veränderungen und rhythmische Impulse reagierte. Auffällig war dabei die zunehmende Bedeutung von Stille und Reduktion. Viele seiner Performances arbeiteten bewusst mit Pausen, Atem und langsamer Klangentwicklung. Dadurch entstand eine sehr intensive und körperliche Form der Vokalimprovisation.
Im Jahr 2025 arbeitete Matthews mit Osiki "OjoSound" Ojo zusammen. Die Single "Bright Eyes" entstand dabei. Der Titel zeigt sehr deutlich jene Qualitäten, die Randolphs spätere Arbeit seit den 2020er-Jahren prägen: eine Mischung aus atmosphärischer Vokalästhetik, rhythmischer Feinheit und improvisatorischer Offenheit.
Der in Großbritannien lebende Gitarrist Nicolas Meier hat sich einen Ruf als einer der originellsten und talentiertesten Gitarristen der Welt erarbeitet. Seine Vorliebe für türkische, östliche und nahöstliche Musik, Flamenco, Tango und vieles mehr - alles vermischt mit Jazz - machen Meiers Vielseitigkeit und musikalische Gewandtheit noch weit darüber hinaus aus.
Meier stammt ursprünglich aus der Schweiz; er gründete 2009 sein eigenes Plattenlabel, MGP Records. Bis heute hat er zwölf Alben produziert: als Solokünstler, in verschiedenen Gruppenformaten (The Nicolas Meier Group, Nicolas Meier Trio, Eclectica!, Nicolas Meier World Group), mit seiner Heavy-Metal-Band Seven7 und im Duo mit seinem langjährigen Partner, Gitarristenkollegen und Mitarbeiter, dem fabelhaften britischen Meister Pete Oxley. 2017 war ein bahnbrechendes Jahr: Steve Vai's Favored Nations Records veröffentlichte Nicolas' brillantes Soloalbum "Infinity".
In jüngerer Zeit hat Nicolas zwei neue Alben auf MGP (Meier Group Productions) fertiggestellt und veröffentlicht: das bereits sehr gut aufgenommene neue Duo-Album mit Pete Oxley, "The Alluring Ascent", und das 2019 veröffentlichte Nicolas Meier World Group's pristine effort, "Peaceful". 2020 erschien das World Group "Live"-Album, aufgenommen im Colchester Arts Centre, das Meier Budjana Group-Album "Flying Spirits" mit Jimmy Haslip sowie das Solo-Gitarren-Album "Stories" und das Metal-Album "Escapades" von Nicolas' My Dark Side!
In den Jahren nach der Pandemie veröffentlichte beziehungsweise dokumentierte Meier verstärkt Live-Material aus kleineren Ensembles und Konzertformaten. Besonders seine Auftritte im berühmten Londoner Jazzclub Ronnie Scott's Jazz Club wurden innerhalb der europäischen Jazzszene stark beachtet. Diese Live-Aufnahmen zeigen Meier improvisatorisch offener, rhythmisch freier und stärker ensembleorientiert als auf vielen früheren Studioalben.
Nicolas Meier, der einen bleibenden Eindruck bei den Herren Bill Bruford, Jeff Beck und Steve Vai hinterlassen hat, ist zweifellos eines der vielseitigsten, ehrgeizigsten und meisterhaftesten Talente der heutigen Zeit.
Carlo Nardozza (1982) ist der jüngste von zwei Söhnen aus einer herzlichen italienischen Familie in Genk (Belgien). Seit seinem siebten Lebensjahr ist Carlo von der Trompete fasziniert; seine ersten Schritte in der Musik machte er inspiriert durch seinen musikalischen Vater.
Während seines Studiums gründete Carlo Nardozza sein eigenes Quintett und begann, für dieses Quintett zu komponieren, hauptsächlich inspiriert von Weltmusik. Dieses Carlo Nardozza Quintett nahm zwei CDs auf, ""Making Choices" und "Winterslag", tourte mit Jazzlab durch Flandern, aber auch durch Rumänien, Italien und Frankreich. Sie gewannen mehrere Preise. Carlo Nardozza war früher Mitglied verschiedener Musikgruppen. Eines davon war das Henri Texier Red Route Quintet, mit dem er drei Jahre lang zusammenarbeitete.
Ein weiteres Projekt waren die European Jazz Trumpets, die früher ein Trompetenkollektiv unter der Leitung des Trompeters Pierre Drevet waren. Carlo nahm auch am Orchestre National Jazz Luxemburg teil, mit dem er etwa zwei Aufnahmen unter George Duke machte.
2012 wurde das Album "Dancing Steps" veröffentlicht, auf dem sich seine kompositorische Sprache weiterentwickelte. Die Musik wirkte rhythmisch beweglicher und harmonisch offener als auf früheren Arbeiten. Gleichzeitig blieb die starke melodische Orientierung erhalten, die bis heute zu den wichtigsten Merkmalen seines Schaffens gehört. Das Album wurde innerhalb der italienischen Jazzszene sehr positiv aufgenommen und stärkte seinen Ruf als eigenständiger Bandleader.
2015 veröffentlichte er das Album "Playtime", das als weiterer wichtiger Entwicklungsschritt gilt. Die Musik zeigte nun eine noch größere Balance zwischen improvisatorischer Offenheit und kompositorischer Struktur. Kritiker beschrieben sein Trompetenspiel auf diesem Album als besonders kontrolliert, lyrisch und atmosphärisch. 2021 veröffentlichte Nardozza das Album "Aurora", das von vielen Kritikern als eines seiner reifsten Werke betrachtet wird. Die Musik zeichnet sich durch eine außergewöhnlich transparente Klangästhetik aus. Sein Trompetenton wirkt hier besonders warm, weich und kontrolliert. Die Stücke entfalten sich langsam und besitzen eine fast meditative Qualität. Gleichzeitig bleibt die rhythmische Energie subtil präsent.
In den folgenden Jahren war Nardozza an mehreren Musikprojekten beteiligt, die er zusammen mit einigen Musikerkollegen gegründet hat, darunter Duology, The Carlo Nardozza Quartet und The Delirium Quintet. Carlo startet ein neues Projekt "Big Band Nardozza", bei dem er von verschiedenen Big Bands in Europa begleitet wird.
Im Jahr 2024 gab es vom Jazz Department of Conservatorium Maastricht, wo Nardozza als Lehrer arbeitet, einen "open day – jazz 2024", wo er mit Rob Bruynen zusammenarbeitete.
2025 trat Nardozza zusammen mit dem Olivier Chavet Quartett beim 8. Fabrik Jazzfestival in Frankfurt/Sachsenhausen auf. Im Februar 2026 erschien das Album der Kurt Elling & WDR Big Band "In The Brass Palace", auf dem Nardozza auch zu hören ist.
Yaron Stavi spielt sowohl Kontrabass als auch E-Bass und deckt verschiedenste stilistische Richtungen ab - von Klassik über Rock, Jazz und World Music. Nach seinem Studium Klassischer Musik in Berlin spielte er mit zahlreichen Orchestern und Dirigenten auf der ganzen Welt. Er spielte den ersten Bass im "Mahler Youth Orchestra" und konzertierte unter Seiji Ozawa, Pierre Boulez und anderen.
2002 zog Stavi nach London, wurde festes Mitglied des "Orient House Ensemble" von Gilad Atzmon, sowie Sideman in einer Reihe von anderen Formationen (Nigel Kennedy, Larry Coryell, Peter King, Jarek Smietana, Leszek Mozdzer, Gary Husband, John Ethridge, Julian Siegel, Gene Calderazzo, Stephen Keogh und Estelle Kokot). Yaron spielte auf Robert Wyatt's Alben "Cuckooland" und "Comicopera" und nahm eine Reihe anderer Alben auf. Seit 2014 unterrichtet er bei der "International Jazzwerkstatt" in Saarwellingen.
Ab etwa 2021 verschiebt sich sein Schwerpunkt noch stärker in Richtung internationaler Projektarbeit und kollaborativer Studioaufnahmen. Ein Beispiel hierfür ist seine Beteiligung an Aufnahmen und Projekten im Umfeld von Mark Wingfield und Asaf Sirkis, die im Bereich moderner europäischer Improvisationsmusik und Fusion angesiedelt sind. Bereits die 2017 veröffentlichte Zusammenarbeit The Stone House bildet hier eine wichtige Grundlage, die in den folgenden Jahren stilistisch weiterwirkt und in Live- und Folgeprojekten fortgeführt wird. Diese Musik zeichnet sich durch eine starke Offenheit zwischen Ambient, Free Jazz, Rock und experimenteller Klanggestaltung aus, wobei Stavi häufig eine tragende strukturelle Rolle übernimmt.
Ein besonders wichtiger dokumentierter Veröffentlichungspunkt in der frühen 2020er Phase ist seine Mitwirkung an dem Projekt Hilda - Abbey Road Sessions, das 2021 erschien. Hier zeigt sich Stavi in einem deutlich songorientierteren Kontext, der stärker an atmosphärisch arrangierter Studioarbeit orientiert ist und weniger an klassischer Jazzimprovisation. Seine Bassarbeit ist in solchen Produktionen typischerweise darauf ausgerichtet, harmonische Stabilität und klangliche Tiefe zu erzeugen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Stavi ist nun verstärkt in transkulturellen Projekten aktiv, in denen Jazz mit Elementen aus südosteuropäischer, nahöstlicher und asiatischer Musik verbunden wird. Ein Beispiel für diese Phase ist seine Mitwirkung an dem Album "Pasar Klewer" von Dwiki Dharmawan (2023), das Jazz mit indonesischer Gamelan-inspirierter Ästhetik und moderner Improvisation verbindet. In solchen Projekten wird besonders deutlich, dass Stavi nicht nur als Begleiter fungiert, sondern als aktiver Klanggestalter innerhalb komplexer Ensemblestrukturen.
John Turville ist einer der führenden Jazzpianisten seiner Generation und er gewann viele Preise für seine Alben, die er mit seinem Trio produziert hat, u.a. "MOJO's #3 Jazz Album of the Year" (2012) und "Best Album" in the Parliamentary Awards 2011. 2010 wurde er als "Bester Instrumentalist" bei den "London Jazz Awards" sowie 2009 beim "PRS Promoter's Choice Award" ausgezeichnet und war 2010 Halbfinalist beim "Martial Solal Jazz Piano Concours".
Er tourte europaweit und im Mittleren Osten mit einer Reihe angesehener Jazz- und Tango-Formationen, darunter "Dave Binney/Julian Arguelles Quintet", Tim Garland, das "Tony Kofi/Alan Barnes Quintet", "Karios 4tet", "Asaf Sirkis Trio", Gilad Atzmon, "Transtango", das "London Tango Orchestra", "Matt Ridley Quartet", Sabina Racheyeva, Andre Canniere, Maciek Pysz und Natacha Atlas.
John war Co-Leiter des "E17 Jazz Collective" und betreute deren Programme und Festival. Zudem dirigierte er das "E17 large Ensemble" und sein Sextett "Solstice". Er ist ein erfahrener Komponist und Arrangeur für Seiteninstrumente, Stimmen, Jazz- und Tango-Ensembles. Zurzeit arbeitet er als Professor am "Birmingham Conservatoire" und betreut ausgewählte Ensembles am "Guildhall und Trinity College".
In den Jahren ab 2017 arbeitet er weiterhin regelmäßig mit einer großen Zahl namhafter Musikerinnen und Musiker zusammen, darunter Tim Garland, Asaf Sirkis, Gilad Atzmon, Tony Kofi, Alan Barnes, Brigitte Beraha und viele andere. Diese Tätigkeit ist besonders prägend, weil sie seine stilistische Vielseitigkeit sichtbar macht: Er bewegt sich souverän zwischen klassischem Modern Jazz, frei improvisierten Kontexten, Tango- und World-Music-Projekten sowie orchestralen Crossover-Formaten.
Im Jahr 2019 erscheint das Album "Head First". Die "London Jazz News": "Für diese lebendige und selbstbewusste Veröffentlichung hat John Turville ein generationsübergreifendes Quintett zusammengestellt, in dem sich der Saxofonist Julian Argüelles – seit über 30 Jahren eine feste Größe im britischen Jazz – mit jüngeren Musikern wie dem Schlagzeuger James Maddren und dem Trompeter Robbie Robson zusammenfindet. Am Bass ist Dave Whitford zu hören. […] Turville steht im Mittelpunkt dieses Albums. Die Musik ist abwechslungsreich und spiegelt Turvilles vielseitige Einflüsse wider. Die elf Titel umfassen drei Latin-Nummern, einige meditative Klavierstücke sowie energiegeladenes Ensemblespiel – allesamt durchdrungen von Turvilles sensiblem Klavierspiel. […]Der Band gelingt es mitunter, größer zu klingen als ein Quintett".
Der höllisch swingende Klavierstil des in Stuttgart lebenden Pianisten Thilo Wagner gehört zum Besten, was die deutsche Jazzszene zu bieten hat. Seine halsbrecherischen Läufe mit traumwandlerischer Punktlandung, die expressiven Balladen oder die gewaltig groovenden Blueszitate verbl¨ffen und begeistern das Publikum, wo immer er auftritt. Thilo Wagner wuchs in Brühl auf und erlernte bereits mit fünf Jahren das Klavierspiel.
Mittlerweile ist der in der Tradition von Erroll Garner oder Oscar Peterson vor Kreativität sprühende Ausnahmepianist seit vielen Jahren fester Bestandteil der europäischen Swing-Szene und auch über die deutschen Grenzen hinaus als Institution auf dem Swing-Sektor bekannt. 1998 hat er den Solistenpreis des Jazzfestivals in Vienne (Frankreich) gewonnen, zudem ist er Ehrenbürger der Stadt New Orleans.
Tourneen führten ihn durch ganz Europa, Kanada, USA sowie Südamerika und er ist mittlerweile auf mehr als 70 CDs und zwei Direktschnittplatten zu hören, die er mit großen Kollegen wie Billy Mitchell, Butch Miles, Slide Hampton, Art Farmer, Emil Mangelsdorff, Martin Drew oder Danny Moss einspielte. Als ständiger Tournee-Begleiter spielt er u. a. mit Jim Hall, Scott Hamilton, Clark Terry, Charly Antolini, Benny Waters, Peanuts Hucko, Ack Van Rooyen, Buddy DeFranco, Charlie Mariano und Ken Peplowski.
Im Jahr 2020 ist Wagner weiterhin aktiv mit seinem Trio und verschiedenen Swingformationen unterwegs. Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen tritt er im Sommer 2020 noch in kleineren Live-Formaten auf, darunter ein dokumentiertes Konzert im Capitol Mannheim im Rahmen einer kulturellen Solidaritätsveranstaltung im Oktober 2020. Diese Phase ist stark von reduzierten Besetzungen und regionalen Auftritten geprägt, da internationale Tourneen zeitweise eingeschränkt sind. Parallel dazu arbeitet er weiterhin regelmäßig mit der Allotria Jazz Band und dem Bassface Swing Trio, die in dieser Zeit ihre Aktivitäten in angepasster Form fortsetzen.
Im Jahr 2022 erscheint ein wichtiges Album seines Trios mit dem Titel "Bossa, Ballads and Blues", das auf dem Label Stockfisch Records veröffentlicht wird. Dieses Album zeigt ihn in einer sehr typischen Umgebung seines Spätstils: swingender Mainstream-Jazz mit Fokus auf melodische Klarheit, rhythmische Leichtigkeit und klassische Trio-Interaktion. Die Besetzung mit Gitarre und Bass knüpft bewusst an die Tradition des Nat King Cole Trios und des früen Oscar Peterson Trios an und unterstreicht seine Position als Bewahrer und Weiterentwickler dieser Ästhetik.
Der 1965 in Turin geborene Enzo Zirilli begann bereits im Alter von 8 Jahren Schlagzeug zu spielen. Am "Konservatorium G. Verdi" in Turin studierte er Klavier. Seine Auseinandersetzung mit Jazz begann nach einer Begegnung mit dem großartigen Tenorsaxophonisten Larry Nocelle und vielen anderen wichtigen Jazzmusikern. 1991 begab er sich mit Gloria Gaynor auf Tour und seit 1996 arbeitete er mit der italienischen Pop-Jazz-Sängerin Rossana Casale zusammen.
Zur gleichen Zeit spielte er auf vielen wichtigen Festivals, in Konzerthäusern und Clubs in Italien und ganz Europa. Enzo lebt seit 2004 in London und wurde schnell zu einem der meist gefragtesten Drummer in Großbritannien. Er machte Aufnahmen und tourte auf dem ganzen Globus mit Künstlern aus den Bereichen Jazz, Weltmusik, Latin, Funk und Pop. Er arbeitete zusammen mit Tom Harrell, Bob Mintzer, Dado Moroni, James Moody, Gloria Gaynor, Gary Bartz und vielen andere. Seit 2014 hat er eine eigene Band - "ZiroBop" - die sich zwischen den Stilrichtungen Bebop und Hardbop, zwischen Funk, Progrock, und Weltmusik bewegt. Zudem ist er Mitglied in Gilad Atzmons "Orient House Ensamble" und unterrichte am "Konservatorium G.Verdi" in Turin.
2021 und 2022 ist Zirilli außerdem an mehreren europäischen Live- und Studioprojekten beteiligt, die sich stilistisch zwischen Jazz, Singer-Songwriter-Musik und Latin-Einflüssen bewegen. Ein Beispiel dafür ist seine Mitwirkung an Projekten der italienischen Sängerin Eleonora Strino, bei denen er in einem kammermusikalischen Jazzkontext arbeitet. Diese Aufnahmen zeigen ihn in einer sehr sensiblen, texturorientierten Rolle, in der das Schlagzeug nicht primär als rhythmische Dominante, sondern als farbgebendes Instrument eingesetzt wird.
Im Jahr 2022 und besonders 2023 tritt seine Rolle als Bandleader und Konzeptmusiker noch stärker in den Vordergrund. Sein Projekt "ZiroBop" wird mit dem Album "Ten Past Never" weitergeführt, das 2023 erscheint. Dieses Werk dokumentiert eine reife Phase seiner künstlerischen Entwicklung, in der er eine Balance zwischen humorvoller Bandästhetik, komplexer Rhythmik und melodischer Zugänglichkeit entwickelt. Kritiker betonen dabei insbesondere die organische Interaktion innerhalb der Band und Zirillis Fähigkeit, die musikalische Energie eines Ensembles gezielt zu steuern, ohne sie zu dominieren.
Zirilli verbindet seine Konzerttätigkeit zunehmend mit seiner akademischen Rolle. Als Leiter für Jazzdrums und Percussion am Conservatorio Giuseppe Verdi in Turin ist er nicht nur als Performer aktiv, sondern auch als prägender Pädagoge. Diese institutionelle Rolle beeinflusst seine künstlerische Arbeit insofern, als er verstärkt in Projekten tätig ist, die auch einen didaktischen oder mentorischen Charakter haben. Seine Live-Auftritte werden dadurch häufig Teil eines größeren Netzwerks aus Ausbildung, Nachwuchsförderung und professioneller Jazzpraxis.